Eine besondere Situation: Malta ist das kleinste Agrarland der neuen EU-Mitgliedsstaaten
Auf Malta arbeiten rund 3'000 Personen hauptberuflich
in der Landwirtschaft, das entspricht rund 2% der Erwerbstätigen. Viele Malteser unterhalten ihre Felder, Gärten und Weinstöcke in ihrer Freizeit oder als 2. Beschäftigung.
Die Landwirtschaft trägt nur wenig zum nationalen
Einkommen bei und der Anteil am BIP liegt unter 2%. Die lehmigen Böden mit einer Kalkunterschicht sind nährstoffarm. Die Anbauflächen machen weniger als 35% der Landesfläche aus. Mit den langen, sehr trockenen Sommermonaten und den unterschiedlich möglichen Bewässerung wird der Ackerbau erschwert. Die landwirtschaftliche Nutzfläche macht 31% der Gesamtfläche des Landes aus. Die hauptsächlich familiär geführten landwirtschaftlichen Betriebe haben eine durchschnittliche Grösse von 0,7 ha (gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche des Landes: 9 700 ha).
Pflanzliche Produkte machen über 50 % der Agrar-
produktion aus.
Hauptanbauprodukte sind Gemüse, insbesondere Tomaten, Zwiebeln, Melonen (34 % der Gesamtproduktion), Kartoffeln (9 %) und Obst (5 %). Diese Produkte bilden die Haupteinnahmequelle vieler kleiner Betriebe, vor allem von Betrieben, deren Beschäftigte nur auf Teilzeit arbeiten. Auf Malta gedeihen Orangen- und Zitronenbäume und Steinobst (vor allem Pfirsiche und Nektarinen). Auch der Weinbau spielt eine wichtige Rolle. Die Olivenölproduktion konnte in den letzten Jahren gesteigert werden.
Bei tierischen Produkten spielen die Schweine- und Geflügelhaltung (Fleisch und Eier) eine wesentlich grössere Rolle als die Haltung von Rindern, Ziegen oder Schafen. Milchwirtschaft, Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung haben jeweils einen Anteil von rund 15 % an der gesamten Agrarproduktion.
Ein Grossteil der landwirtschaftlichen Produktion Maltas, vor allem Obst und Gemüse, wird direkt an die Verbraucher und hierbei insbesondere an Hotels verkauft oder über das Pitkali Marketing Center in Ta'Qali vermarket. Dieser direkte Bezug zum Verbraucher verschafft der maltesischen Landwirtschaft einen hohen Mehrwert und schützt sie vor der Konkurrenz, zumal die Produkte auch eine hohe Qualität aufweisen. Bedingt von der Inselisolation hat Malta mit Transportmehrkosten zu kämpfen, die sich auf die Produktionskosten und auf die Importpreise auswirken. Die meisten Rohstoffe (Dünger, Pflanzenschutzmittel und Tierfutter) müssen importiert werden. So liegen zum Beispiel die Fleischpreise 40 % über den durch-schnittlichen EU-Preisen (Lokales Geflügel und Scheinefleisch ist aber deutlich günstiger als in der Schweiz).
Malta kann die inländische Nachfrage an frischem Gemüse (Kohl, Tomaten, Karotten, Salat, Zwiebeln, Blumenkohl), Frischmilch, Eiern, Geflügel, Kaninchen, Erdbeeren und Melonen selbst decken. Hingegen müssen Fleisch, Getreide, Zucker, Reis und Obst (Bananen, Äpfel, Birnen und Zitrusfrüchte) importiert werden. Malta exportiert Kartoffeln, Zwiebeln, Kappern und verarbeitete Produkte (getrocknete Tomaten) sowie Produkte, die aus zuerst importierten Rohstoffen weiterverarbeitet werden wie zum Beispiel Zucker, Tabak oder Baumwolle.
In Zukunft wird sich die maltesische Landwirtschaft wahrscheinlich auf die Produktion von «Nischen-
erzeugnissen» und auf die direkte Vermarktung spezialisieren. Der Haupthandelspartner Maltas ist die EU, in die sie 67 % der Importe abführt.
Quelle: DIE GEMEINSAME AGRARPOLITIK (GAP) |